
Früher hielten die Imker in Deutschland die dunkle Nordbiene (Apis mellifera mellifera). Sie entwickelt sich im Frühjahr erst spät. Sie bildete kleine Völker, brachte einen Ertrag um 10 kg Honig/Volk, schwärmte schnell und war recht stechlustig. Sie ist heute nach Skandinavien und in einige Alpentäler Österreichs und der Schweiz verdrängt worden.
In den letzten 50 Jahren setzte sich die Carnica (Apis mellifera carnica), die Kärntner oder Krainer Biene, durch systematische Einfuhr aus Österreich und vom Balkan, in Mitteleuropa, auch in Berlin und Brandenburg, durch. Ursprünglich war sie nur in Südosteuropa beheimatet. Sie zeigt weit bessere Eigenschaften als die dunkle Nordbiene, wie eine rasche Entwicklung im Frühjahr, besonderen Fleiß mit großen Honigerträgen, geringe Krankheitsanfälligkeit und Sanftmut. Im Herbst stellt sie die Brut bald ein. In Berlin ist es möglich, mit der Carnica pro Volk ohne Wanderung einen Honigertrag von 25 kg zu erwirtschaften. Der Deutsche Imkerbund mit seinen Landesverbänden widmet sich besonders der Zucht dieser Bienenrasse.
In den letzten 30 Jahren gibt es eine zunehmende Zahl von Imkern, die eine erst seit 1920 gezüchtete neue Biene, die Buckfastbiene, hält. Diese Zuchtrichtung wurde von Bruder Adam, einem deutschen Mönch aus dem Kloster Buckfast in Südengland, durch Kombination wertvoller Eigenschaften verschiedener Bienenrassen begonnen. Die Buckfastbiene zeichnet sich durch rasche Volksentwicklung im Frühling, Bildung großer Völker, eine lange Brutperiode im Herbst, hohen Ertrag, geringe Krankheitsanfälligkeit, sehr geringe Schwarmneigung und Sanftmut aus. Sie ist heute die Biene der meisten Berufsimker in Mitteleuropa. Der durchschnittliche Honigertrag liegt mindestens so hoch wie der von Carnicavölkern. Der Deutsche Imkerbund hat die Zucht dieser Biene 2002 auch in seine ?Richtlinien für das Zuchtwesen? aufgenommen.
In Berlin sind ohne weiteres auch Bienenköniginnen anderer Bienenrassen, wie der früher hier heimischen Nordbiene (Apis mellifera mellifera), der italienischen Biene (Apis mellifera ligustica), der kaukasischen Biene (Apis mellifera caucasica), der griechischen Biene (Apis mellifera cecropia) und der türkischen Biene (Apis mellifera anatolica) zu erhalten. Sie werden von Händlern oder Zuwanderern angepriesen. Die Einkreuzung dieser Rassen in unsere heimische Population kann nicht empfohlen werden, weil die einfache Kreuzung auf gar keinen Fall eine erbsichere Fixierung erwünschter Eigenschaften bewirkt und somit nur zu einer genetischen Verwilderung der ?Landbiene? führt. Außerdem sind diese standortfremden Rassen nicht an die Besonderheiten unseres Klimas und der Vegetation angepaßt und zeigen hier nicht die Eigenschaften, durch die sie sich in ihrem Ursprungsland unter anderen Bedingungen auszeichneten.
Ernsthafte Zuchtbestrebungen mit dem Ziel der Einkreuzung positiver Eigenschaften in unsere Bienenpopulation müssen dagegen programmatisch über viele Generationen erfolgen und können nur bei exakter Kenntnis der Genetik und Erfahrung in der Zucht zu einem positiven Erfolg führen. Einzelpersonen mit wenigen Bienenvölkern, ohne das nötige Wissen, sind damit völlig überfordert.
